|

Prof.
Joseph Jost
geb.
1888
"Rosen"
Öl
auf Leinwand
(doubliert)
Bildgrösse: 60/70 cm

signiert unten rechts "Joseph Jost"
Joseph Jost war Portrait- und Stilllebenmaler
in Wien: Er wurde in Wien am 13.1.1888 geboren. Zunächst
begann Jost ein Selbststudium, in dem er die alten Meister genau
analysierte und sie neu zu interpretieren begann. Seit 1908 hatte
er Ausstellungen im Künstlerhaus in Wien. Ab 1914 besucht
Jost die Wiener Akademie in der Meisterklasse von Fr. Rumplers.
Während
des Krieges war Jost Kriegsmaler und dem KuK Kriegspressequartier
zugeteilt. So portraitierte er u.a. den Genaraloberst von Kövess
und weitere wichtige Militärpersönlichkeiten.
Nach dem Krieg
dann widmete sich Jost fast ausschließlich dem Stilllebenfach.
Nach 1919 erscheint Jost nahezu regelmäßig auf den
Ausstellungen des Künstlerhauses mit seinen meisterlichen
Stillleben, die vornehmlich Blumen, Obst, Gemüse, Fische
und Geflügel zum Inhalt haben.
Literatur:
- Benezit
1999 - Band 8, Seite 910
- Der getreue Eckart,
Halbmonatschrift für das deutsche Haus, Nr. 20, Ende Juli
1926, Wien,
von Dr. Viktor Trauzl (unten wiedergegeben)
- Thieme-Becker
Bd. 19/20 S. 184
- Vollmer,
Band 2, Seite 568
- Dressler,
Seite 478
- u.v.a
- Preis auf Anfrage
-
Folgender Artikel
über den Künstler Prof. Joseph Jost beschreibt nicht
nur das Thema Stillleben sehr gut, sondern geht auch intensiv
auf den Künstler Jost ein.
Der Stillebenmaler Joseph
Jost
Vor
dem Richterstuhle der hohen Kunst führt die Stilleben- und
Blumenmalerei ein
verschämtes Dasein, man zweifelt an ihrer Ebenbürtigkeit
mit den übrigen Zweigen
malerischer Betätigung, weil Dilettanten aller Art in ihr
ein leicht zugängliches
Arbeitsfeld erblicken. Die oberflächliche Kritik, die in
der Stillebenmalerei nur eine
Frage des technischen Könnens erblickt, vergißt dabei,
daß schon eine gewaltige
künstlerische Arbeit geleistet werden muß, bevor der
Maler sein Vorbild auf die
Malfläche überträgt. Gewiß kann er die Gegenstände
nach seinem Geschmack
auswählen und gruppieren, Beleuchtung und Hintergrund so
einrichten, daß der
Phantasie des Künstlers nichts mehr übrig bleibt, aber
nur der echte Künstler vermag die malerische Qualität
des Dargestellten zur Geltung kommen zu lassen, also die Reflexe,
die Durchsichtigkeit, das Verschleierte und das Farbigglänzende.
Nie wird der Dilettant erzielen, daß das Stoffliche, das
Wesenhafte in uns das Gefühl auslöst, daß wir
uns nicht einem Bilde, sondern der Wirklichkeit gegenüber
befinden. In so hohem Grade kann nur ein echter Künstler
die sogenannte Kunst des "Nachmalens" beherrschen.
Ein Beweis dieser Behauptung mag darin erblickt werden, daß
die Zahl der
bedeutenden Stillebenmaler aller Zeiten eine sehr begrenzte ist.
Der Grieche Pausitas war der erste, von dem uns die Geschichte
berichtet, aber erst in der niederländischen Kunst des 17.
Jahrhunderts fanden wir wieder Meister allerersten Ranges, deren
Werk auch heute noch unsere Bewunderung erweckt. Sie, die Brueghel,
Snyders, de Heem, Dou, Fyt und Huysum, sind uns auch heute noch
erstrebenswertes Vorbild, einerseits infolge ihrer glänzenden
Koloristik, andererseits durch die peinliche, miniaturenhafte,
liebevolle Wiedergabe aller Einzelheiten. Weil in der Stilleben-,
aber auch in der Blumenmalerei die genaue Naturnachahmung erste
Forderung ist, bleibt dieses Gebiet von allen Modeströmungen
in der Kunst so ziemlich unberührt; deshalb findet sie aber
auch in der Zeit radikaler Kunstrevolutionen nicht die Beachtung,
die sie verdient. Sie verlangt Können und Geschmack, mit
tönenden Manifesten und künstlerischen
Experimenten kommt man über die treue Wiedergabe der Natur
nicht hinweg.
Wenn daher die Arbeiten Joseph Josts in allem Ernste mit den
Meisterwerken der
Niederländer verglichen werden, so liegt in dieser Wertung
das höchste Lob, das ihm gezollt werden kann. Den ständigen
Besuchern des Künstlerhauses sind sie
wohlvertraut, immer findet man vor den Bildern dieses Wiener
Malers Kunstverständige, die mit Entzücken die unvergleichliche
Meisterschaft der stofflichen Wiedergabe und die köstliche
Kolorit bewundern. Natürlich darf man nicht Anforderungen
an den geistigen Gehalt dieser Stilleben stellen, die meisterliche
Ausführung allein erhebt sie zum Kunstwerk.
Wer aus den Arbeiten des Künstlers auf seine Persönlichkeit
Schlüsse ziehen wollte, dürfte sich wahrscheinlich
ein falsches Bild von ihm machen. Unwillkürlich denkt man
beim Anblick etwa des "Hummerstillebens", das dem Beschauer
den Mund wässrig macht, an einen gemütlichen alten
Herrn, dem die Genießerfreude aus fröhlichen Augen
lacht, an einen weidgerechten Jäger oder die Beschaulichkeit
liebenden Sonntagsfischer. Ob Joseph Jost der Jagd oder dem Angelsport
huldigt, weiß ich nicht, jedenfalls wird aber niemand auf
den ersten Blick in dem eleganten jungen Maler den Meister dieser
beschaulichen Kunst vermuten. Am 13. Jänner 1888 wurde der
nunmehr achtunddreißigjährige Künstler in Wien
geboren. Sein künstlerischer Bildungsgang fällt aus
der gewohnten Schablone. Durch Selbsstudium, vor allem durch
das Kopieren alter Meister, bildet er sein Können bis zur
Vollendung aus. Erst im Jahre 1914 kam Jost, der schon 1908 in
der Jubiläumsausstellung des Künstlerhauses mit einem
wirkungsvollen Bilde "Das Recht des Todes" Aufsehen
erregt hatte, in die Meisterschule Rumplers, dessen malerische
Richtung seinem koloristischen Empfinden besonders entgegenkam.
Rumpler verdankte er den letzten künstlerischen Schliff,
in seinen Blumenstücken ist er der berufenste Nachfolger
dieses feinsinnigen, vor einigen Jahren verstorbenen Meisters.
Aber schon vor 1914 war Jost im Künstlerhause wiederholter
Gast. Im Jahre 1911 stellte er seine "Medusa" aus,
1913 sein prächtiges Stilleben mit Wasserglas, Semmeln und
Servietten, in der Jahresausstellung 1914 endlich das wundervolle
Orangenstilleben.
Der Krieg riß auch ihn aus seiner beschaulichen Tätigkeit.
Der begeisterte Naturfreund und liebevolle Schilderer intimster
Naturschönheiten kam als Kriegsmaler an die Front, statt
köstlicher Stilleben mußte er nun kriegerische Bilder
malen. Die Berliner Kunstausstellung 1916 beschickte er mit der
farbigen Zeichnung "Salzburger Landesschützen und Unterstand
an der Kärntner Front", die Wiener Kunstausstellung
des Kriegspressequartiers mit dem malerischen Bilde "Straße
in Skutari" und verschiedenen Bildnissen hervorragender
militärischer Persönlichkeiten. Portraits des Generalobersten
von Köveß, des Generalgouverneurs von Montenegro,
des Grafen Clam-Martiniz, des Direktors des Kriegsarchivs Generalmajor
von Hoen, des Generalstabsobersten Freiherrn von Waldstätten
seien aus dieser Zeit als Früchte seines künstlerischen
Schaffens besonders hervorgehoben.
Nach dem Zusammenbruche widmete sich Jost wieder mit ganzer Hingabe
seinen
früheren Bestrebungen. Auch jetzt noch ist er ein viel gesuchter
Portraitist, wie sein
aus der letzten Zeit stammendes Bildnis des Generals von Hoen
als Mitglied der
Wiener Schlaraffia beweist, aber seine künstlerische Vorliebe
gehört doch der
Stilleben- und Blumenmalerei, in der er es zu international anerkannter
Meisterschaft gebracht hat. Ausländische Kunstzeitschriften,
wie der Londoner "The Studio", widmen seinem Schaffen
eingehende kritische Würdigungen. Aber auch in seiner Wiener
Heimat erfreut er sich der Wertschöpfung, die sonst heimischen
Künstlern so selten zuteil wird. Er gehört zu jenen
Ausnahmen unter den Künstlern, deren Bilder nicht nur gelobt,
sondern auch gekauft werden.
Auch im Stilleben beschränkt sich Jost auf verhältnismäßig
wenige Motive. Blumen,
Früchte, Keramiken, Gläser und tote Tiere sind die
Objekte, die er mit erstaunlicher
Virtualität und verblüffender Naturtreue wiedergibt.
Die Darstellung lebender Tiere,
wie wir sie in dem prachtvollen Bilde "Krähender Hahn"
sehen, gehört eigentlich zu
den Ausnahmen. Und gerade dieses Bild ist eine seiner besten
Arbeiten überhaupt. Der Hahn ist der typische Bauerngockel
mit dem rotgelben Schimmer über den Schwanzfedern, ganz
wundervoll der Natur abgelauscht. Wie köstlich sind aber
auch die übrigen Einzelheiten! Das meisterhafte Helldunkel
des Stalles mit den zarten Mischtönen einer prächtig
abgetönten Palette, im Gegensatz dazu das saftige Grün
des Kohls, das Rot und Gelb der Kürbisse, farbig zusammengehalten
durch die diskrete, warme Tönung der Tonkrüge, deren
dunkle Mündungsglasur ein kleines Meisterwerk malerischer
Wiedergabe ist. Jeden Strohhalm vermag man zu zählen, Heuduft
und Aroma taufrischen Gemüses scheinen uns zu umkosen.
Die gleiche Naturtreue und feine Beobachtung sprechen aber auch
aus den anderen Bildern dieses Künstlers zu uns. Man sehe
nur einmal das Stilleben vom Küchentische daraufhin an!
Eine Sinfonie grüner Töne. Von dem dunklen Blaugrün
des Hintergrundes hebt sich die zarte Gefiederfarbe des toten
Hahnes diskret und doch plastisch ab. Der Karfiolkopf und der
Knofel betonen mit satterem Grün und gelblichem Weiß
den Vordergrund, greifbar echt. Nur das dunkle Rot des Hahnenkamms
und das warme Braun des Tonkruges bringen einen neuen Klang in
das farbig wundervoll komponierte Bild. Meisterhaft ist auch
das Stilleben mit Wild. Hier ist der Hintergrund ganz dunkel
gehalten, so daß die Farbenfreudigkeit der einzelnen Objekte
um so stärker hervortritt. Der tote Hase ist mit einer Naturechtheit
gemalt, die jedes Härchen für sich behandelt, ebenso
das Gefieder des Rebhuhnes, dessen violettes Grau prachtvoll
in die Schattenfarbe des rotumränderten Küchentuches
übergeht. Das leuchtende Rot der Äpfel, erhöht
durch das helle Grün einer anderen Apfelsorte, der warme
Ton des Tonkruges und das satte Grün eines Karfiols vermählen
sich mit den übrigen Farben zu einer Harmonie von außergewöhnlicher
Schönheit. Auf diskrete Koloristik ist das Fischstilleben
abgestimmt. Hier fällt es besonders auf, wie Jost es versteht,
durch Aufhellung des linken Bildhintergrundes die Einheit mit
dem glänzenden Farbfleck des rechten Fisches herzustellen.
Wieder erweist er sich als Meister getreuester Naturdarstellung.
Die Fische sind so brillant gemalt, daß sie einem Naturforscher
zu wissenschaftlicher Bestimmung genügen müßten.
Kraftvollen Farben huldigt das Hummerstilleben, glänzend
im Bildaufbau und in der Stofflichen Wiedergabe, dabei geradezu
raffiniert in der Kontrastierung der Farben. Und doch wieder
diese liebevolle Detailmalerei! Die geschälte Zitrone mit
ihrer Farbenskala von Weiß, Grün und Gelb hat fast
für sich allein künstlerische Berechtigung. Überhaupt
ist Jost ein Früchtemaler von ganz besonderer Qualität.
Köstlich gemalt sind die Quittenäpfel, deren ins Grünlich
spielende Gelb mit dem Farbenbunt herbstlicher Blumen vorzüglich
zusammengestimmt ist. Damit betreten wir ein Gebiet, das Jost
gleichfalls meisterhaft beherrscht, die Blumenmalerei. Hier fesselt
ihn besonders die Buntheit der Blumen, wie sie in den Bauerngärten
über die Zäune lachen, Rosen in allen Spielarten, Tulpen
und Levkonen, Schwert- und Feuerlilien, Astern und Strohblumen.
Auf dunklem Hintergründen hebt sich die bunte Pracht leuchtend
ab, in schlanken Glasvasen oder bauchigen Tongefäßen
zusammengefaßt, Schmuck eines gastlichen Tisches, den buntfarbige
Decken oder weißes Linnen bedecken. Am schönsten ist
aber vielleicht das Wandbrett mit den dunkelroten Pelargonienstöcken
auf dunklem Hintergrund, gegen die das zarte Lila und Gelbweiß
im Vordergrund prächtig kontrastiert. Josts Blumen haben
nicht das wachsartige, wie wir es so oft sehen müssen, sie
atmen Natur, die Blütenblätter sind wie Meisterwerke
der Natur selbst in ihrem Schmelz und ihrer duftigen Zartheit.
Und wie zum Vergleiche bringt Jost gerne in seinen Stilleben
zarte Gläser oder
kostbares zartes Porzellan, köstliche Gebilde menschlicher
Kunstfertigkeit, die er mit aller Schönheit des Tones und
des Lüsters wiedergibt. Seine Gläser sind wirklich
durchsichtig, sein Porzellan durchscheinend. Wundervolle Reflexe
spielen auf ihren Flächen, es scheint fast, als ob sie unter
Jostens Meisterhand Leben und Wärme gewonnen hätten.
Daß er imstande ist, seinen Bildern den Hauch beseelter
Natur zu verleihen, erhebt ihn aus der Legion der Stillebenmaler
zu einer künstlerischen Höhe, die Ewigkeitswert besitzt.
Quelle:
Der getreue Eckart, Halbmonatschrift für das deutsche Haus,
Nr. 20, Ende Juli 1926, Wien,
von Dr. Viktor Trauzl |