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Ausschnitt
aus den einführenden Worten
zur Ausstellungseröffnung:
Es
ist kaum zu glauben, aber diese Ausstellung heute wird seit über
zwei Jahren geplant, wobei die Initiative zu dieser Ausstellung
von der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen ausgegangen war,
da es galt, die Städtpartnerschaft Lahti und Garmisch-Partenkirchen
auf kulturellem Sektor zu intensivieren.
Das Problem
war nur, einen passenden Termin für die Ausstellung zu finden.
Und genau mit dieser Terminsproblematik kann man direkt zur Künstlerin
überleiten:
Soíle
Ylí-Mäyry
ist
ständig unterwegs - auf der ganzen Welt - und das ist keineswegs
übertrieben - jagt eine erfolgreiche Ausstellung die andere:
Die Werke von Soile Yli-Mäyry ziehen die Welt in ihren Bann.
Bisher waren Ihre Werke in 24 Ländern zu sehen. Soíle
Ylí-Mäyry
könnte
sich jederzeit an jedem beliebigen Ort der Welt niederlassen,
denn Kunstliebhaber aller Nationen bewundern ihre Werke. Auch
wollte es sich die Künstlerin nicht nehmen lassen, persönlich
zur Eröffnung aus Finnland extra anzureisen.
Soíle
Ylí-Mäyry
-
wer ist das?
Sie wurde in Finnland geboren und erhielt die erste Ausbildung
an der freien Kunstschule in Helsinki. Von 1972 - 1975 studierte
die Soíle
Ylí-Mäyry
an
der Stuttgarter Akademie. Sie hat sich ihren Erfolg hart erkämpft,
denn das lernte Soíle
Ylí-Mäyry
schnell:
Allein durch durch ein Studium an der Kunstakademie wird man
noch nicht zum Künstler. "Zum Kunstmachen wächst
man oder eben nicht". wie sie selbst gerne feststellt.
Gegensätze,
Extreme, Sturheit, Kraft, Licht und Feuer, das alles sind Begriffe
mit denen man die Bestandteile einer Soíle Ylí-Mäyry
umschreiben
könnte. Gut davon hat auch jeder von uns, aber halt nicht
in einem Verhältnis wie hier. Die Künstzlerin meint
dazu: "Ich plane nicht. Es ist doch kläglich mit anzusehen,
wie Menschen Entscheidungen auf Morgen verschieben und auf das
richtige Leben warten. Wir sollten es der Natur gleichmachen.
Diese plant nicht, wartet nicht. Der Vogel singt heute."
Die Kunst
von Soile ist heftig, oft meinen viele sie ist so heftig, dass
sie gar nicht von einer so zarten Frau stammen könnte.
Wer der
Mensch ist, der eigentlich Angst vorm Fliegen und Zugfahren hat,
der aber die ganze Welt bereist - um nur einen Aspekt herauszugreifen-
was also hinter der Künstlerin steckt, wie ihr Leben bisher
abgelaufen ist und viele Aspekte ihrer Bilder, zeigt uns die
Künstlerin auch in ihrem neuesten Buch. Nicht nur autobiographischer
Text, sondern auch viele Bilder finden sich darin und es liest
sich spannend wie selten eine Autobiographie. Die englische Übersetzung
ist gerade frisch aus dem Druck. Sie können gerne über
unsere Galerie dieses Werk beziehen (35,00 EUR incl. Fracht und
Verpackung).
Die Bilder:
Wer den
Ausstellungsraum betritt, nimmt mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit auch zuerst die Farben wahr. Die Farben! Aber
was für Farben! Leuchtend! Kräftig! Unmittelbar ins
Auge fallend!
Es sind
eigentlich immer die reinen Primärfarben rot, gelb und blau,
die hier ohne vermittelnde Zwischentöne als größere
Flächen oder auch ganz kleinteilig nebeneinandergesetzt
werden. Schwarz und Weis - als "unbunte Farben" geben
die Kontur für Figuren und Formen. Die Farbigkeit hebt die
Bilder der Künstlerin gänzlich ab von der sonstigen
finnischen Kunst, die hauptsächlich auf Erdfarben basiert.
Ölmalerei ist das Ausdrucksmedium der Künstlerin. Aber
es fällt bei ihrem Farbauftrag auch die gleichzeitige Verwendung
von graphischen Mitteln auf.
Auf ihren
Bildern finden sich immer wieder lineare dynamische Gitterwerke,
die in die Farbe gekratzt sind. Dadurch werden die unter der
Oberfläche liegenden Farbschichten sichtbar, weitere Bildbereiche
werden gleichsam transparent. Daneben gibt es aber wiederum Stellen
an denen die Farbe mit einem Spachtel breit aufgetragen wird
und dort ein pastoses Farbrelief ergeben.
Die enorme
Reichweite der Bilder, ja der Reichtum der Bilder ergibt sich
erst nach und nach bei fern- und nachsichtiger Betrachtung. Terten
Sie zunächst einen Schritt zurück vom Bild und bewegen
Sie sich erst langsam näher. Die Wirkung ist verblüffend.
Was sich
daraus aber auch erschließt ist das Gegensätzliche
in den Bildern:
- graphische Mittel neben malerischen Mitteln
- Transparenz und Dichte
- Stumpfheit und Glanz
- Einritzen und Auftragen
all das steht nebeneinander.
Aber auch
die Themen sind teilweise Gegensätze in sich und von Kraft
und Extremen bestimmt: Brennender Schnee, Sonnenwind,
Gefesseltes Licht, Asphaltherz, Brennende
Asche usw.
Den starken Farben dieser Bilder kommt also nicht nur eine abbildende,
sondern auch eine symbolische Funktion zu!
Bestimmte
Kernmotive tauchen in den Bildern der Künstlerin wiederholt
auf. Sie kreisen um den Gedanken, dass unsere Welt immer mehr
von Menschenhand selbst geschaffen ist. Und um die Verwundbarkeit
der Menschen, wie Veränderungen und Umwälzungen in
uns sichtbar werden. Einer "Hand Made World" widersetzt
sie sich nicht. Wenn man versucht - was nicht gelingen kann -
ein weiteres oder ein zusammenfassendes Wort für die Kunst
von Soile zu finden, dann kommt der Begriff "Leidenschaft!"
als zwingender Gedanke.
Bei
Soíle Ylí-Mäyry ist aber unmittlebar
der Betrachter gefragt! Nur dieser soll, darf und kann, ja ist
gleichsam aufgefordert, sich mit diesen Bildern eine Zeit auseinander
zusetzen. "Ich mache nur meinen Job; die Empfindungen,
wohin die Kunst einen führt, entstehen im Betrachter selbst,"
definiert Soile Yli-Mäyry die Rolle des Künstlers.
Was aber
macht den Erfolg dieser Bilder aus?
Nicht von ungefähr kommt der Erfolg der Künstlerin
auch in asiatischen Ländern. Die Bilder haben etwas zutiefst
Meditatives; Reichtum und Tiefe der Bilder finden sich auch durch
die fehlende Beschränkung auf die Eindimensionalität.
Die Bilder erinnern aber auch an Höhlenmalereistil. Das
heisst aber auch: Im Hinblick auf die Dimension der Zeit sind
die Bilder ebenfalls nicht festgelegt - passen sie doch aber
auch so gut in unsere heutige Zeit, eröffnen Sie uns die
täglich sich widersprechenden Gegensätze im Leben,
die Ungereimtheiten, Ungerechtigkeiten, das Chaos, die Gewalt
aber auch - und das ist wichtig - den Mut und die Liebe.
Hier eben wie selten in einer Leidenschaft: brennend, glühend,
rot und gelb: Mit dem Palettenmesser tief im Innern der Menschenseele
Die Bilder
von Soile erhalten Sie in der Galerie Jaud, ja diese Werke sind
verkäuflich. Die Künstlerin - eine Kunstsozioligin
- formuliert das nur etwas feiner:
"Von der Bildkunst erwartet man, sie solle keinen Gewinn
erwirtschaften, und der Künstler möge nicht in Erscheinung
treten. Wer aber würde Theater schon als kommerziell bezeichnen,
nur weil wir für eine Vorstellung bezahlen. Man stelle sich
vor, dass nach jeder Vorstellung jemand am Ausgang steht und
die Theaterbesucher beschämt um einen Beitrag bittet!"
Den Betrachtern
der Ausstellung des "brennenden Traums" wünsche
ich die Fähigkeit, hinter der Bilder zu schauen, in sie
hinein zu sehen und vielleicht dort etwas wiederzufinden. Vielleicht
sogar etwas, das schon lange verloren geglaubt war...
Alexander
Jaud |